Synthetische Droge im Umlauf: Berauschendes Liquid mit hohem Gefahrenpotenzial

Kontrollverlust, Erbrechen und schnelle Sucht – neue synthetische Droge bereitet Gesundheitsamt und Kliniken Sorgen

Schweinfurt Stadt und Landkreis. Seit geraumer Zeit flutet eine neue synthetische Droge den Markt, die als Liquid in E-Zigaretten verdampft wird. Die Rede ist von Baba-Liquid oder Baba-L, wie es insbesondere unter Jugendlichen häufig genannt wird. Irreführend wird es auch als CBD-Liquid bezeichnet. Nachdem die Bezeichnung „CBD“ (Cannabidiol) suggeriert, dass keine berauschende Wirkung wie etwa bei psychoaktivem THC (Tetrahydrocannabinol) zu erwarten ist oder dass es sich bei dem Liquid um ein legales Produkt handelt, kann dies die Hemmschwelle der Konsumbereitschaft insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiter senken. Tatsache ist jedoch, dass diese Liquids häufig sehr hohe Mengen synthetischer Cannabinoide enthalten sowie eine Vielzahl weiterer Inhaltsstoffe, die ein hohes gesundheitliches Risiko für die Konsumentinnen und Konsumenten bergen.

Sogenannte „Baba-Liquids“ können Kreislaufprobleme, Herzrasen und Panikattacken auslösen.

Diese Liquids sind weder vom Geruch, noch vom Aussehen von normalen E-Zigaretten-Liquids zu unterscheiden, was möglicherweise ein bedeutender Aspekt bei der massiven Verbreitung ist. Der vorgeblich legale Status der Droge macht das Eingreifen durch die Polizei schwierig und gaukelt Harmlosigkeit vor. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die synthetische Droge führt bei Konsumentinnen und Konsumenten regelmäßig zu massiven körperlichen Beeinträchtigungen, da die Dosierung der synthetischen Cannabinoide im Liquid sehr hoch sein und bei jedem verwendeten Fläschchen anders ausfallen kann, was eine Überdosierung wahrscheinlicher macht – Kreislaufprobleme, Herzrasen und Panikattacken können zum Beispiel die Folgen sein.

Betroffene berichten von schneller Abhängigkeit und Entzugserscheinungen

Aber was ist dann überhaupt der Reiz daran? Im Gespräch mit Alexandra Göbel, Mitarbeiterin in der Gesundheitsförderung und Suchtprävention am Gesundheitsamt Schweinfurt, berichten Jugendliche, dass es als Ersatz für Cannabis geraucht bzw. gedampft wird, weil die jungen Konsumentinnen und Konsumenten Angst haben, im Umgang mit illegalen Hanfprodukten erwischt zu werden. Sie fürchten ihren Angaben zufolge strafrechtliche Konsequenzen nach dem Konsum von illegalen Drogen wie Cannabis. Die berauschenden Liquids dagegen werden angepriesen als risikofreier Rausch – mit verheerenden Folgen in der Realität. Die jungen Konsumierenden haben ihre E-Zigarette jederzeit griffbereit und können nahezu überall das Liquid dampfen, kaum jemand im Umfeld schöpft Verdacht, dass hier gefährliche, berauschende Substanzen konsumiert werden, da dies etwa über den Geruch nicht bemerkbar ist.

Die leichte Zugänglichkeit der Droge sowie die Möglichkeit, sie relativ unbedarft nahezu überall konsumieren zu können, ist fatal: So hat etwa eine Anfrage von Alexandra Göbel beim Leopoldina-Krankenhaus ergeben, dass auf der Kinder- und Jugendstation bereits Fälle von Kindern ab 12 Jahren verzeichnet worden sind, bei denen drogentypische Ausfallerscheinungen zu erkennen waren.

Betroffene, die sich zu einem Gespräch mit dem Gesundheitsamt bereit erklärt hatten, sprachen von einer sehr schnellen Abhängigkeit bereits nach wenigen Konsumeinheiten. Entzugserscheinungen stellen sich demnach nach kurzer Zeit ein, die Konsumentinnen und Konsumenten erzählen von hohem Suchtdruck und massiven körperlichen Beeinträchtigungen: überaus starkes Schwitzen, Kopfschmerzen, regelmäßiges Erbrechen direkt nach dem Aufwachen am Morgen, Kraft- und Antriebslosigkeit.

Dazu dürften neben den synthetischen Cannabinoiden auch weitere Inhaltsstoffe von Baba-Liquid beitragen. Um den ursprünglich beißenden Geruch und Geschmack der Liquids zu überdecken, werden Geschmack- und Duftstoffe zugesetzt wie Erdbeere, Kirsche oder Waldmeister.

„Unabhängig vom leichtfertigen Konsum interessiert mich die Motivation dahinter. Warum brauchen Jugendliche und Erwachsene diesen Kick? Was versteckt sich hinter dieser Risikobereitschaft und der Suche nach dem nächsten Rausch? Bin ich einfach durch Freunde in etwas hineingerutscht oder haben die Drogen für mich eine Funktion, wie beispielsweise Sorgen, Stress, Perspektivlosigkeit oder Langeweile zu unterdrücken?“, erklärt Göbel die Herangehensweise im Rahmen der behördlichen Drogenprävention und -bekämpfung.

Ziel der Drogenprävention: Auf die Gefahren des Drogenkonsums aufmerksam machen

Ihr Ziel ist es, die jungen Konsumentinnen und Konsumenten für die Gefahren des Drogenkonsums zu sensibilisieren und ihnen Auswege aus der Sucht aufzuzeigen oder – im besten Fall – die jungen Menschen dazu zu bewegen, gar nicht erst mit dem Konsum anzufangen.

In Einzelgesprächen und den sogenannten FreD-Kursen, die sie regelmäßig mit Heranwachsenden im Alter zwischen 14 und 21 Jahren hält, wird all das thematisiert. Der Konsum wird hier in jedem Detail reflektiert und durchleuchtet. „FreD“ steht für Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten, eine kostenfreie Dienstleistung des Gesundheitsamtes im Landratsamt Schweinfurt.

Neue Kampagne der Drogenprävention soll zur Aufklärung beitragen

Um früher anzusetzen und um über die Gefahren von Baba-Liquid aufzuklären, läuft aktuell eine breit angelegte Kampagne (mehr dazu auch unter www.landkreis-schweinfurt.de/drogenprävention). Diese wird in Kooperation mit der Stadt Schweinfurt, dem Leopoldina-Krankenhaus und federführend dem Gesundheitsamt Schweinfurt organisiert und in die breite Fläche transportiert. Vorrangig geht es in die Schulen, den ÖPNV, in Jugendzentren und in die Gemeinden.

Info-Materialien stehen bereit


Wer sich als Verein, Betrieb etc. für die Kampagne interessiert und Materialien benötigt, kann sich jederzeit per E-Mail melden unter ga-praevention@lrasw.de

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