Zukunftsweisende Weichenstellungen am Schwebheimer Schloss und am „Goldenen Lamm“

Information der Gemeinde Schwebheim:

Schwebheim, 4. Dezember 2018 – Gleich für zwei historisch besonders wichtige und wertvolle Stellen in Schwebheim sind vor Kurzem zukunftsweisende Weichenstellungen im Gemeinderat getroffen worden: Am Schloss, konkret am Gebäudeteil „Hirschkopf“, sowie am ehemaligen Gasthaus „Goldenes Lamm“.

Insoweit hierbei Grundstückstransaktionen betroffen waren, fand die Beratung und Beschlussfassung wie für alle Grundstücksangelegenheiten üblich und kommunalrechtlich gefordert zunächst in nicht-öffentlicher Sitzung des Gemeinderats statt.

Investor ist für beide Projekte die Söllner Wohn- und Gewerbebau GmbH und Co. KG. Die Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat zu den Konzeptvorschlägen und Bedingungen fand daher unter Ausschluss von Gemeinderat Mario Söllner statt.

Am Schloss ist geplant, den Gebäudeteil „Hirschkopf“ wieder neu aufzubauen und zukünftig wohnwirtschaftlich zu nutzen 

Hierbei soll der historische Baukörper mit seiner ursprünglichen Kubatur erhalten bleiben bzw. neu errichtet werden. Der südöstliche Turm soll saniert werden und der nordöstliche Turm wieder auf die ursprüngliche Höhe aufgestockt werden. Die Fenster- und Türstellungen in der Bruchstein-Außenwand sollen erhalten bleiben. Nur auf der Ostseite sollen neue Zugänge von den Wohnungen geschaffen werden, über die zu jeder Wohneinheit eine Terrasse erreichbar sein soll. Hierfür werden Durchbrüche in der Bruchsteinwand erforderlich. Die beiden Ecktürme sollen wieder eine Schieferdeckung erhalten und das Hauptgebäude eine Biberschwanzdeckung. Um auch im nordöstlichen Turm eine natürliche Belichtung zu ermöglichen, soll dort gegebenenfalls eine zusätzliche Fensteröffnung entstehen.

In den stark vom Verfall gezeichneten Gemäuern sollen auf diese Weise insgesamt vier neue Wohneinheiten entstehen. Für jede davon soll zudem jeweils in Richtung Osten im Bereich des ehemaligen Wassergrabens eine Holzterrasse auf Stelzen gebaut werden. Ziel ist, den historischen Wasserschloss-Charakter möglichst weitestgehend zu bewahren.

Nachdem im Gemeinderat bereits Zustimmung zur Idee und Umsetzung in Aussicht gestellt worden war, fand als entscheidender Schritt zuletzt vor Ort eine Besichtigung mit den Denkmalschutz-Fachbehörden statt. Sowohl die Obere als auch die Untere Denkmalschutzbehörde begrüßt und unterstützt das Vorhaben nachdrücklich.

Neben den baulichen und denkmalschutzrechtlichen Fragen wurde dabei auch der Umgriff um den „Hirschkopf“ eingesehen. Dies erfolgte auch im Hinblick auf die Erschließung und auf Zufahrtsmöglichkeiten. Die Denkmalschutz-Fachbehörden sind damit einverstanden, dass die für die geplanten vier Wohneinheiten nötigen KFZ-Stellplätze ebenfalls auf der Ostseite errichtet werden, und zwar in einer baulichen Ausführung als wassergebundene Decke. Ein Holzsteg soll die Stellplätze dann mit den Terrassen verbinden. Der bauzeitliche Wall zwischen Wassergraben und Schlossgarten bleibt erhalten.

Auch für die Schaffung zusätzlicher öffentlicher Parkplätze im Osten, welche die Gemeinde in diesem Zusammenhang ergänzend auf ihrem eigenen angrenzenden Grund und Boden erwägt, signalisierte der Denkmalschutz vor Ort bereits grünes Licht. Insgesamt sind alle Stellplätze jedoch von der Ansicht der Schlosswiese her entsprechend einzugrünen.

Insgesamt bedeutet dieses Wiederaufbau- und Wiederbelebungs-Konzept einen der weitreichendsten Schritte zum Erhalt des historischen Schloss-Ensembles und des Schwebheimer Kulturerbes der letzten Jahrzehnte.

Im Bild: Der Gebäudeteil „Hirschkopf“ prägt die ostseitige Ansicht des Schwebheimer Schlosses. Hier soll dem weiteren Verfall Einhalt geboten werden und die noch erhaltene Bausubstanz inklusive der beiden historischen Türme in einen Wiederaufbau mit wohnwirtschaftlicher Nutzung eingehen.

 

Hintergrundinformationen zur Schlossanlage 

Die ursprüngliche Anlage des Schwebheimer Wasserschlosses wurde um 1440 von Balthasar von Wenkheim erbaut. 1513 kaufte es Wilhelm von Bibra mit der dazugehörenden Domäne. Im Bauernkrieg wurde das Schloss im Jahr 1525 in großen Teilen zerstört, doch schon im Jahr darauf begann der Wiederaufbau. Wesentliche Teile wie z.B. die Treppentürme mit Übergang, die Tore, der Wirtschaftshof mit Verwalterhaus und die Schlossscheunen mit den Ställen baute Heinrich von Bibra in den Jahren 1575-1600 neu. Über den Wassergraben führte im Süden eine Zugbrücke.

Im Jahr 2015 erwarb die Gemeinde umfangreicher Teile der Grünflächen des Schloss-Areals inklusive der hinteren Schlossscheune. Die Gebäude der inneren Schlossanlage dagegen blieben weiterhin im Privateigentum.

Bis heute ist das Schloss ein wichtiges kulturelles Erbe und Wahrzeichen der Gemeinde im historischen Ortskern. Die einzelnen Gebäude der historischen Schlossanlage sind dabei unterschiedlich gut erhalten. Teile der Schlossanlage wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Doch auch der Zahn der Zeit hat über die Jahrzehnte an der Substanz genagt. An der Nordkemenate wurden Mitte der 1990er Jahre mit umfangreichen Fördermitteln Maßnahmen zur Bestandssicherung durchgeführt. 2001 führte die Eigentümerfamilie Restaurationsarbeiten im Inneren durch.

Vom „Hirschkopf“, dem ehemaligen Gesindeteil im Osten der Schlossanlage, sind dagegen nur noch die Grundmauern und Teile der beiden Türme gut erkennbar erhalten. Mit der geplanten Investition kann die verbliebene Substanz nun dauerhaft erhalten werden und einer tragfähigen wohnwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden.

Seniorengerechtes Wohnen, Mietwohnungen nach sozialen Standards und Wiederbelebung der Gasträume am „Goldenen Lamm“

Am „Goldenen Lamm“ ist im hinteren Bereich zwischen den beiden Nachbarscheunen in einem ersten Schritt zunächst ein Neubau geplant, der diese Lücke schließt. Im Erd-, Ober- und Dachgeschoss sollen dort jeweils 3 seniorengerechte Wohneinheiten realisiert werden. Die Erschließung erfolgt über ein vorgesetztes Treppenhaus mit Aufzug. Die Dachneigung und die Firstrichtung orientieren sich an den Nachbarscheunen. Als erste Maßnahme hierfür müssen zunächst der vorhandene Saal sowie der rückwärtige Anbau am ursprünglichen Gaststättengebäude abgebrochen werden.

Die Obere und die Untere Denkmalschutzbehörde begrüßen diese Baumaßnahme. Das Konzept entspricht zudem der Ortssatzung Schwebheims und deckt sich mit den Zielen der Gemeinde im Bereich der Innenentwicklung und bei der Schaffung altersgerechter Wohnungen.

Obwohl Gemeinderat Mario Söllner schon bei der Idee der Bürgerinitiative zur Wiederbelebung der Gastwirtschaft als Co-Investor für den hinteren Bereich fest eingeplant war, war es für den Gemeinderat wichtig und eine Voraussetzung dafür, einem Verkauf des Anwesens zuzustimmen, dass die Söllner Wohn- und Gewerbebau GmbH und Co. KG neben diesen seniorengerechten Wohnungen im rückwärtigen Querriegel auch die nötigen Investitionen vornimmt, um auch die vorderen Gasträume nachhaltig zu erhalten und sie wieder einer gaststättenähnlichen Nutzung zuzuführen.

Dies schließt auch einen Ausbau der darüber liegenden Flächen im Obergeschoss und Dachgeschoss mit ein. Dort soll zusätzlicher Wohnraum nach sozialen Standards entstehen. Beides ist einvernehmlich Bestandteil der Vereinbarung zwischen der Gemeinde und der Söllner Wohn- und Gewerbebau GmbH und Co. KG.

Insgesamt sind somit am Goldenen Lamm drei gemeindliche Entwicklungsziele erreicht: Die Schaffung von seniorengerechtem Wohnraum, die Schaffung von Wohnraum zu sozialen Standards und Investitionen in die nachhaltige Erhaltung der Gastwirtschaftsräume.

Letzteres soll nach aktuellem Planungsstand voraussichtlich durch den Umbau in ein Cafe erfolgen.

Hinsichtlich der Räume im Obergeschoss sind konkret vier kleinere Wohneinheiten bzw. Apartments geplant. Das ursprüngliche Raumkonzept soll dabei im Wesentlichen erhalten bleiben. Auch die Fenster- und Türstellungen können weitestgehend übernommen werden. Die Erschließung über die vorhandene Treppe bleibt bestehen, ebenso die Erschließung ins Dachgeschoss. In den Dachgeschoss-Räumen, die früher ebenfalls schon zu Wohnzwecken genutzt worden waren, sollen zwei weitere Wohneinheiten Platz finden. Hierfür müssten noch Gauben in die Dachfläche eingebaut werden.

Auch die Hallen – am Zugang zu dem Anwesen links – sind Teil der Transaktion und gehen mit dem Verkauf des Anwesens über. Da diese bisher durch den gemeindlichen Bauhof genutzt werden, hat die Söllner Wohn- und Gewerbebau GmbH und Co. KG zugesagt, ab Beginn der Baumaßnahmen der Gemeinde bis auf Weiteres Ersatzflächen für den benötigten Lager- und Stauraum zur Verfügung zu stellen.

Da aus denkmalschutzrechtlicher Sicht keine Einwände bestehen und sich das Bauvorhaben als denkmalschutznahes Gebäude in die Gesamtumgebung einfügt, kann die Einreichung der entsprechenden Bauanträge bei der Gemeinde bzw. dem Landratsamt zur baurechtlichen Detailprüfung und Genehmigung nun bereits kurzfristig erfolgen. Die Eingabeunterlagen werden vom Architekten bereits vorbereitet.

Im Bild: Auch am ehemaligen Gasthof „Goldenes Lamm“ wird investiert: Hier entstehen im rückwärtigen Bereich seniorengerechte Wohnungen. Die Gasträume sollen nachhaltig erhalten bleiben und werden hierzu voraussichtlich in der Form eines Cafes umgestaltet. Auch die darüber liegenden Räume im Obergeschoss und im Dachgeschoss sollen saniert und zu Wohnungen nach sozialen Standards umgebaut werden.  

Hintergrundinformationen zum „Goldenen Lamm“ 
Ende 2015 erwarb die Gemeinde das damals seit einigen Monaten leerstehende Anwesen „Goldenes Lamm“ in der Hauptstraße 21. Das Anwesen hat eine Grundstücksgröße von 1.230 Quadratmeter. Große Teile der Hauptgebäude sind sanierungsbedürftig. Einige Teile stehen unter Denkmalschutz.
Eine konkrete Zweckbindung wurde für die weitere Nutzung des Anwesens damals zunächst noch nicht festgelegt. Für die Zukunft sah der Gemeinderat hier jedoch verschiedene Möglichkeiten, etwa im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Zudem erreichten zu jener Zeit auch die Asyl- und Flüchtlingsströme ihren Höhepunkt und der Gemeinderat wollte sich angesichts drohender humanitärer Notsituationen mit dem Erwerb auch aktiv eigene Handlungsspielräume eröffnen. Die Bausubstanz und auch die vorhandenen sanitären Einrichtungen wären zwar ohne Umbauten kaum geeignet gewesen, eine größere Anzahl von Menschen dauerhaft unterzubringen. Bei einer weiteren Zunahme der Zuströme, wenn extreme Notlagen drohen und der Kapazitätsbedarf akut weiter steigt, wäre das Anwesen mit Saal, Küche, Gasträumen usw. aber wohl zumindest für eine vorübergehende, notfall- und behelfsmäßige Unterbringung noch besser geeignet gewesen als so manche andere gemeindliche Liegenschaft oder gar Zeltsiedlungen.
Im Einklang mit diesem Gedanken hat seit dem Erwerb durch die Gemeinde auch der Helferkreis Asyl gemeinsam mit den in Schwebheim angekommenen Flüchtlingen und Asylsuchenden das Anwesen genutzt. Gemeinsam wurden die Räume hergerichtet – mit begrenzten finanziellen Mitteln, aber viel persönlichem Einsatz und Engagement. Dort findet, vorwiegend in den Sommermonaten, seither etwa auch das Asyl- und Begegnungscafe statt.
Das Anwesen mit seinen denkmalgeschützten Fassadenteilen ist zudem ein wichtiger Teil des historischen Ortsbilds und der Tradition rund um den historischen Ortskern. Im Sommer 2015 hatte sich damals im Dorf auch bereits eine private Bürgerinitiative zur Erhaltung der Gaststätte und der Schwebheimer Wirtshauskultur gebildet. Der Wunsch nach einer Wiederbelebung der Gaststätte war sehr deutlich spürbar und die Mitglieder der Initiative verwendeten viel Zeit, Herzblut und auch private Auslagen darauf, hierfür ein stimmiges Konzept zu erarbeiten. Nach zwei Jahren mit viel Einsatz für diese Idee teilte die Bürgerinitiative im Mai 2017 jedoch mit, dass für die geplante Sanierung des Goldenen Lamms leider keine tragfähige Finanzierung zustande gekommen ist und das Vorhaben daher leider nicht mehr weiterverfolgt werden kann.
Hier schließt sich der Kreis zum jetzigen Investor, da die Söllner Wohn- und Gewerbebau GmbH und Co. KG auch zur Zeit der Bürgerinitiative schon als Co-Investor für die rückwärtige Bebauung fest im Gesamtkonzept mit vorgesehen war. Beim Kaufpreis erhält die Gemeinde den Preis, den sie im Jahr 2015 selbst gezahlt hat, zuzüglich der danach angefallenen Kosten für die bisher am Anwesen vorgenommen kleineren Investitionen und einer Verzinsung.

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